Die Krinoline Attraktion - nur noch auf dem Münchner Oktoberfest
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Geschichte


Krinoline hieß der Reifrock den früher die Frauen unter den Tanzkleidern trugen

93 Jahre Krinoline auf der Wiesn

Anfang des 20. Jahrhunderts waren Krino­line-Fahr­ge­schäf­te auf vielen Fest­plät­zen ein be­lieb­tes Amüse­ment. Aus dieser Zeit hat sich nur die Krino­line des Ok­to­ber­festes er­hal­ten. Der Schau­steller Michael Groß­mann hatte sie 1924 dort zum ersten Mal auf­ge­stellt.

Schwierige Zeiten mussten damals bewäl­tigt werden. Auch die Krino­line war gefor­dert, wenn sie über­haupt noch über­leben wollte. Um z.B. die Schwan­kung zu erzeu­gen, mussten drei bis vier Mann ihre Muskel­kraft ein­set­zen. Die Per­so­nal­kos­ten waren ein nicht mehr zu tra­gen­der Kosten­faktor. Dies war wohl auch die Ursache, dass es nur noch wenige Krino­linen zu Ende der 30er Jahre gab.

Michael Großmann machte sich 1936 an die Arbeit, die Kri­no­li­ne-Schwankung elektromechanisch zu erzeugen. Sein ma­te­riel­les Auskommen hatte er bei der Firma Wamsler, wo er die Erlaubnis bekam, nach seiner Arbeit den Krinolinemast zu fer­ti­gen. Seit 1938 läuft die Krinoline elektromechanisch. Seine Er­fin­dung wurde als Patent eingereicht und angenommen. Dieser raf­fi­nier­te An­trieb mittels Excen­ter und starken Federn lässt sich noch heute im oberen Teil des Mastes bewun­dern.

Auf einen Schlag wurden drei bis vier Mann Personal eingespart. Damit hat sich die wirtschaftliche Lage zwar gebessert, aber neue Wett­be­werbs­pro­ble­me standen bevor. Mo­der­nere und schnel­le­re Fahrgeschäfte entstanden, die sich gleichzeitig auch flotter auf- und abbauen ließen. Doch Michael Großmann steckte nicht auf.

Als zu­sätz­li­che Attrak­ti­on ließ er 1938 eine original 5-Mann Blas­kapelle auf­spie­len, für die er an der Außen­wand des Ka­rus­sells einen kleinen Balkon anbaute. Die Blas­musik war inso­fern außer­ge­wöhn­lich, weil damals die Karus­sel­le, Rie­sen­rä­der und Schiff­schau­keln übli­cher­wei­se von den Klän­gen der Schau­stel­ler­or­geln be­glei­tet wurden. Die glor­rei­che Idee war von Er­folg ge­krönt. Das Pub­li­kum hono­rier­te diese Ein­rich­tung so, dass die Krino­line mit ihrer belieb­ten Blas­kapelle zu einem Inbe­griff auf dem Münch­ner Okto­ber­fest wurde.

Dass die Krinoline auch den Krieg überlebt hat, ist ebenfalls Michael Großmann zu verdanken. Er veranlasste, dass das Geschäft vom damaligen Lagerplatz in Großhadern nach Min­del­heim evakuiert wurde, um den Bombenangriffen auf Mün­chen zu entgehen.

Auch in der Zeit nach dem Zweiten Welt­krieg, als Groß­manns Schau­stel­ler­kol­le­gen auf die nun aktu­el­le Schall­platten- und Ton­band­musik wech­sel­ten, ließ Groß­mann seine Blas­ka­pel­le weiter­spielen. Im Alter von 74 Jahren verstarb Michael Groß­mann im Jahre 1961 – doch der Tra­di­ti­on blieb auch Groß­manns Frau treu. Die Münchner nannten sie liebe­voll "Krino­line-Oma".

Unterstützt von ihren Söhnen Herrmann und Theodor sowie ihrem Enkel Theo Nie­der­län­der führte Krinoline-Oma das Fahr­ge­schäft weiter. Viel zu früh verstarben 1971 die beiden Söhne im Alter von 56 und 58 Jahren. Dies war ein schwerer Schick­sals­schlag für die Familie, aber besonders für Krinoline-Oma.

Sie betrieb das Geschäft zusammen mit Ihrem En­kel Theo­dor Nie­der­län­der und dessen Gat­tin Anita bis ins hohe Alter. Bis zu ihrem 83. Le­bens­jahr kassierte sie während der Fahrt auf der Krinoline und wurde so beim Publikum zu einem un­ver­ges­se­nen Phänomen. Im ge­seg­ne­ten Alter von 86 Jahren ver­starb die Krinoline-Oma 1980, doch die Erinnerung an sie lebt weiter.

Bis 2007 übernahm dann Theodor Niederländer mit seiner Frau Anita das ehrwürdige Traditionsgeschäft. In dieser Zeit wurde das Geschäft in vielen Bereichen behutsam restauriert und modernisiert. Immer wieder wird er von Geschäftsauf­käufern aus Holland und den USA bedrängt, das Geschäft zusammen mit den Musikern zu verkaufen. Doch zum Glück für das Münchner Publikum ließen sich die Musiker in der Vergangenheit auf diesen Kuhhandel nicht ein.

Mit dem 175. Oktoberfest wurde die Verantwortung dann vertrauensvoll an Matthias Niederländer und seine Frau Helene übertragen. Die Krinoline ist damit schon in der vierten Familiengeneration auf dem Münchner Oktoberfest verankert. Theodor Niederländer freilich unterstützt seinen Sohn weiterhin mit Rat und Tat.

So bauen also Junior und Senior mit viel Liebe und En­ga­ge­ment ihre Krinoline Jahr um Jahr von Neuem auf der Wiesn auf. Natürlich engagieren sie traditionsgemäß weiterhin die Original-Krinoline-Blaskapelle. Musikalisch wird aber auch immer wieder ausgesuchten Gastspielern die Möglichkeit gegeben sich auf der Krinoline zu versuchen. So gastierten hier die Veterinary Street Jazz Band, Tiny Bubbles Jazz Band oder G-Rag und die Landlergschwister.

Trotz aller Neuerungen wurde die Krinoline in all den Jahren zu einem Markenzeichen auf dem Münchner Oktoberfest. Wir wünschen uns, dass dies weiter so bleiben möge.

Die Krinoline wird belagert

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Historische Impressionen

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