Die Krinoline Attraktion - nur noch auf dem Münchner Oktoberfest
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Blasmusik


Krinoline hieß der Reifrock den früher die Frauen unter den Tanzkleidern trugen

Die Krinoline-Blasmusik "dahaut, aber schee"

Seit 1939 begleitet eine kleine Blech­musik das Publi­kum bei jeder Karus­sell­fahrt, einge­pfercht in ein halb­wegs wet­ter­fes­tes Podium-Häusl. Jede Fahrt ist drei bis fünf Minu­ten lang, und in dieser Zeit wird live ge­spielt. Fünf Stimmen sind besetzt: Zwei Flügel­hör­ner, Tenor-Neben­stimme, Tenor-Beglei­tung und Tu­ba. Zum Ster­ben zuviel und zum Leben zuwe­nig - doch die Mini­mal-Lösung (gebo­ren aus Platz­mangel und öko­no­mi­schem Kal­kül): sie funk­tio­niert. Walzer, Polka, Märsche, Schla­ger be­glei­ten jede Karus­sell­fahrt.

Das viel zitierte "Krinoline-Gefühl" (näm­lich ab­zu­he­ben in den sieb­ten Ok­to­ber­fest-Him­mel): Es ist ein ganz­heit­li­ches Er­leb­nis aus ki­ne­ti­scher Er­fahr­ung und mu­si­ka­li­schem Ver­gnü­gen. Wenn die Blech­musi den "Bummel­petrus" an­stimmt oder "Die Rose vom Wörther­see" - dann voll­zieht sich für viele ein akus­ti­sches Schlüs­sel­er­leb­nis, näm­lich die Er­fahr­ung ar­chai­scher Musi­zier-Kultur. Die Musik in der Kri­no­li­ne wird nicht "ge­spielt", son­dern "ge­macht".

Der Prozess des Zusammentreffens, ja des Kol­li­die­rens der Stim­men ist un­über­hör­bar. Die Struk­tur der Musik liegt blank wie ein Schar­nier­werk. Ein to­sen­des und äch­zen­des, dumpf dro­hen­des und teils klage­voll tre­mo­lie­ren­des Klang-Getriebe, das sich in Gang setzt und mit sto­i­schem Au­to­ma­tis­mus sei­nen Lauf nimmt.

Dem musikalisch geschulten Ohr ent­geht nicht der Kampf, der sich da ab­spielt: Stän­dig ist das rhyth­mi­sche Ge­füge im Ba­lan­cie­ren, die In­to­na­tion schwankt, das Tempo treibt oder schleppt. Kurz­um: "dahaut - aber schee!" Mehr noch: das Ganze strahlt einen ge­ra­de­zu exo­ti­schen Reiz aus. Diese Musik ist nicht Kunst, sondern Hand­werks­pro­dukt - ein Ar­te­fakt, das ge­nau­so dem Ka­rus­sell­be­trieb dient wie die An­triebs­me­cha­nik des Fahr­ge­schäfts. Die Musik muss funk­ti­o­nie­ren - mehr nicht. Es ist fas­zi­nie­rend mit­zu­er­le­ben, wie die alten Blas­musik-Füch­se jedes Stück "re­pa­rie­ren".

Die wohl bekanntesten Krinoline-Musiker waren die in Mün­chen-Neu­hau­sen gebo­ren und auf­ge­wach­se­nen Zwil­linge Franz und Josef Schmidt. Im hohen Alter von 90 spiel­ten sie im Jahr 2000 nach mehr als 50 "Ok­to­ber­fest-Dienst­jah­ren" letzt­mals auf der Kri­no­li­ne.

79 Jahre Blasmusik auf der Krinoline -
ein Highlight auf dem Münchner Oktoberfest.

Die Krinoline-Blaskapelle

Sondergastspiel:

Auch im Jahr 2018, spielt wie­der je­den Diens­tag ab 19 Uhr, eine Dixiland-Band auf der Kri­no­line.

Bildergalerie:

Die Krinoline-Blaskapelle

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